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Der Fährmann

Der Fährmann kämpfte – wie lange schon! –
Mit seinen zwei Rudern gegen den Strom,
Ein grünes Schilf in den Zähnen zerknüllend.

Doch sie, die vom andern Ufer ihn rief,
Ward immer ferner und tief schien sie, tief
Über den nebelnden Wogen in Nacht sich zu hüllen.

Jenseits sahen
Der Fenster Blicke
Und die Uhren hoch an den Turmeskanten
Höhnisch auf sein vergebliches Nahen,
Wie er sich mühte, streckte und bückte
Und die Muskeln straff bis zum Springen spannte.

Da zerspellte
Ein Ruder ihm jäh,
Die Strömung wellte
Mit schweren Wogen es gegen die See.

Und sie, die ihn rufend zu sich entbot,
Schien nur noch toller in ihrer Not
Nach dem Fernen hinter den Nebeldecken
Die Arme zu recken.

Der Fährmann trieb
Mit dem einen Ruder, das übrigblieb,
Das Boot durch die Wellen so ungestüm,
Daß sein Körper in allen Fugen knackte
Und vor Fieber ihm
Beinah das Herz in der Brust versagte.

Da brach ihm plötzlich das Steuer ab,
Und die wilde Strömung packte und jagte
Zum Meere hin das wehrlose Wrack.

Die Fenster am Strand
Wie Augen, groß und fieberverbrannt,
Die Uhren der Türme, meilenweit
Aufrecht am Ufer wie Witwen gereiht,
Starrten staunend und unverwandt
Auf des tollen
Fährmanns vergebliches Vorwärtswollen.

Doch sie, die ihn hinüberbestellte,
Heulte, heulte im Nebel und gellte
Vornübergebeugt ihre Angst in die weiten
Unendlichkeiten.

Doch der Fährmann, wie gemeißelt aus Erz,
Trieb und trieb,
Das einzige Ruder, das ihm verblieb,
Umfaßt wie im Krampf,
Mit Wind und Wellen im trotzigen Kampf
Die Barke vorwärts en uferwärts.
Seine alten Augen, die Fieber erhellte,
Irrten die leuchtenden Fernen entlang,
Von denen, klagend durch Nebel und Kälte,
Der Ruf noch immer herüberklang.

Da zerbrach
Das letzte Ruder, das übrigblieb,
Und wie einen tanzenden Strohhalm trieb
Die Flut es dem andern zum Meere nach.

Da sank
Der Fährmann blaß, ohne Mut und Kraft,
Die Glieder vom nutzlosen Ringen erschlafft,
Mit zerbrochenem Arm auf die Ruderbank.
Ein Wirbel riß rasch die Barke fort.
Im Weitertreiben
Sah er die Ufer weit hinter sich bleiben.
Doch er verharrte an Bord.

Keiner kam dem Fährmann zu Hilf;
Die Uhren und Fenster über dem Strom
Starrten
Mit ihren Augen feige und fromm
Auf seinen trostlosen Untergang.
Doch der störrische alte Fährmann bewahrte
Zwischen den Zähnen – Gott weiß wie lang! –
Todestrotzig sein grünes Schilf.

Übers. Stefan Zweig

 

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