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In Mitten Weh und Angst

In Mitten Weh vnd Angst / in solchen schweren zügen /
Dergleichen nie gehört / in einer solchen Zeit
Da Trew vnd Glauben stirbt / da Zwietracht / Grimm vnd Neid
Voll blutiger Begier gehäufft zu Felde liegen /
Da vnverfänglich ist Gericht vnd Recht zu biegen /
Da Laster Tugend sind / wie bin ich doch so weit
In Thorheit eingesenckt? der Liebsten Freundligkeit /
Jhr blüendes Gesicht / jhr angenehmes Kriegen /
Jhr Wesen / Thun vnd Art / das ist es was ich mir
Bloss eingebildet hab’ / vnd rühme für vnd für.
Diss Leid / diss Jammer sehn / vnd dennoch nichts alss lieben?
Noch klügere dann ich schleusst man in Clausen ein.
Jhr Musen lasst mich gehn: es muss doch endlich seyn
Was anders oder ja gar nichts nicht mehr geschrieben.

Martin Opitz (1597-1639)

Martin Opitz, Gedichte; Reclam, Ditzingen; ISBN 315000361X

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