Words,words,words

Zechen unter’m Monde

Zwischen den Blumen steht eine Kanne voller Wein;
ohne Freunde und Verwandte trinke ich allein.
Ich hebe den Becher zu dem hellen Monde,
lade auch ein meinen Schatten zu der dritten Runde.

Der Mond versteht nichts von der Trinkerei;
mein Schatten immer folgt mir, ihm ist’s einerlei.
Aber die Freude am Abend will ich nicht verdriessen;
solange es Frühling ist, soll man es geniessen.

Der Mond schaukelt auf und ab, solange ich singe;
mein Schatten wiegt sich mit mir, er ist froher Dinge.
Wäre ich nüchtern, blieben wir zusammen.
Sobald ich trinke, wir uns gegenseitig fangen.

Lockere Gefährten wollen wir bleiben ewig so gerne;
auf ein Wiedersehen hoff’ ich jenseits der Sterne.

Yan Zhao & Dieter Ziethen, in: Yan Zhao & Dieter Ziethen, Leise hör’ ich Blüten fallen : Gedichte aus der chinesischen Klassik, Gröbenzell, 2009; p. 37

 

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