Words,words,words

Im Mondlicht allein trinken

Unter den Blumen ein gefüllter Krug,
ich trink allein, niemand hier, der mich kennt.
Ich hebe den Becher, lad den Mond dazu,
mit meinem Schatten drei in einem Bund.
Der Mond begreift nichts von der Trinkerei,
mein Schatten folgt mir dumm im Hintergrund.
Nur kurz gesellt, der Mond, mein Schatten, ich
Noch einmal hochgemut vom Frühlingsend.
Ich sing ein Lied, der Mond heiter dabei.
Ich tanz, mein Schatten außer Rand und Band.
Solang ich wach bin, sind wir sehr vergnügt,
im Rausch hat die Verbindung nicht Bestand.
Auf ewig wollen wir Gefährten sein,
nicht leidend mehr, im Wolken-Sterne-Land.

Michael von Poser, in: Michael von Poser, Chinesische Gedichte der klassischen Zeit, Wiesbaden, 2003, p. 75

 

Top