Einsamer Trunk unter dem Mond
Zwischen den Blumen steht eine Kanne Wein.
Allein schenke ich mir ein, da kein Freund zugegen ist.
Ich erhebe den Becher und lade den hellen Mond ein.
Zusammen mit meinem Schatten sind wir zu dritt.
Der Mond versteht schon nichts vom Trinken.
Der Schatten kann auch nur meinem Körper folgen.
Eine Weile will ich Mond und Schatten Gesellschaft leisten,
Denn sich vergnügen muß rechtzeitig im Frühling sein.
Singe ich, schwankt der Mond hin und her.
Tanze ich, gerät der Schatten durcheinander.
Während ich noch nüchtern bin, vergnügen wir uns gemeinsam.
Wenn ich betrunken bin, gehen wir auseinander.
Für immer haben wir diese gefühllose Freundschaft geschlossen.
Wir wollen uns weit auf der Milchstraße wiedersehen.
—
Liu Mau-Tsai, in: Liu Mau-Tsai: Chinesische Liebe, chinesischer Wein, Bonn, 1989; p. 111
