Ich brauch’ einen Kameraden
Ich brauch’ einen Kameraden
Hier in der Laube beim Wein:
Der Mond merkt gleich den Schaden,
Als dritter ungeladen
Stellt sich mein Schatten ein.
Der Mond hebt nicht den Humpen,
Der Schatten singt kein Lied,
Doch weil sie Freundschaft pumpen,
Lass ich mich auch nicht lumpen
Und trink’ so lang es blüht.
Schaut nur des Mondes Lachen
Bei meinem Rundgesang,
Den Schatten – Sprünge machen!
Sie wollen mit mir wachen,
Doch nicht mehr gar zu lang.
Hat erst der Rausch mich drunten,
Dann werden sie sich drehn.
Lautlos sind sie verschwunden:
In vierundzwanzig Stunden
Steigt doch ein Wiedersehn.
—
Conrad Haussmann, in: Conrad Haussmann, Im Tau der Orchideen und andere chinesische Lieder aus drei Jahrtausenden, München; p. 46
