Words,words,words

Einsamer Trunk unter dem Mond

Unter Blüten meine Kanne Wein –
Allein schenk ich mir ein, kein Freund hält mit.
Das Glas erhoben, lad den Mond ich ein,
Mein Schatten auch ist da, – wir sind zu dritt.
Gewiß versteht der Mond nicht viel von Wein,
Und was ich tue, tut der Schatten blind,
Doch sollen sie mir heut Kumpane sein
Und ausgelassen unterm Frühlingswind.
Ich singe und der Mond schwankt hin und her,
Ich tanze und mein Schatten hüpft noch mehr.
Wir sind uns Freunde, da wir nüchtern sind,
Ein jeder geht für sich, wenn erst der Rausch beginnt.
Nichts bleibt dem Herzen ewiglich verbunden,
Als was im hohen Sternenlicht gefunden.

Günter Eich, in: Wilhelm Gunder, Annemarie Schimmel und Walther Schubring, Lyrik des Ostens, München, 1978; p. 303

 

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