Words,words,words

Ich trink allein mit Schatten und Mond

Eine Kanne Wein
Unter den blühenden Bäumen
Trink ich allein,
Denn nah ist kein Freund.
Meine Kanne Wein
Heb ich zur klirrenden Scheibe:
Ich winke dem Mond.
Ich, der Mond und mein Schatten
Wir sind drei Mann.
Der Mond trinkt leider keinen Wein,
Mein Schatten, der Affe, kriecht um mich herum.
Dennoch – mit meinen Freunden,
Dem Mond und dem Schattenknecht,
Will ich fortlachen den Gram.
Weinvergnügt sein,
Eh der Frühling vergilbt.
Zu den Liedern, die der Wein in mir singt,
Der Mond sein Strahlenschwert schwingt;
In den Tanz meiner Glieder verwebt,
Bebt, stolpert, zerbricht mein Schatten und stirbt.
Nüchtern spielten wir herrlich zu dritt,
Trunken geht jeder allein seinen Weg.
Ich will übermorgen mit euch kühlen Kerlen wandern!
Auf Wiedersehn abends am andern Ufer,
Auf den Wolkenbänken der Milchstrasse.

Albert Ehrenstein, in: Albert Ehrenstein, Gesammelte Werke Bd 3/I, München, 1995; p. 333

 

Top