Die drei Kameraden
In blühender Laube sitz ich stumm beim Wein
Und sehne mich nach einem Kameraden, –
Ist keiner da, der mit mir zechen will?
Da naht der Mond und grüsst mich wie ein Freund,
Und noch ein dritter taucht empor: mein Schatten!
Mein Schatten und der Mond! Bei Gott, zwei stille
Kumpane – und sie trinken keinen Tropfen!
Mein Schatten rührt sich geradeso wie ich,
Blass ist der Mond, – Genossen, seid willkommen!
Auf, lasst uns saufen, bis der Frühling naht!
Ich singe! – und der Mond hört lachend zu.
Ich tanze! und mein Schatten tanzt mit mir.
Hallo, Genossen! Welch ein Zechgelage!
O bleibt mir treu, – zum mindesten so lange,
Wie klarer Sinn in meinen Worten fliesst.
Wühlt freilich erst der Rausch durch meine Schläfen, –
Ade dann, Freundschaft! Freunde, dann ade!
Wir trennen uns im Dämmerlicht der Frühe,
Doch nicht auf lang . . .
Ja, morgen abend feiern
Wir Wiedersehen, – wollen wir, Genossen?
—
Hans Bethge, in: Hans Bethge, Die chinesische Flöte, Leipzig, 1919; p. 38
© YinYang Media Verlag (ISBN 3980679950)
